embodiment of pain

Eine Auseinandersetzung mit der Darstellung von Leidensbildern unter Berücksichtigung der digitalen Fotografie

Die Fotoserie zeigt an Brustkrebs erkrankte Frauen unterschiedlichen Alters, die in verschiedenen Abschnitten ihres Lebens mit dieser Herausforderung konfrontiert worden sind und sich in unterschiedlichen Stadien ihrer Erkrankung befinden. Obwohl ich Individuen porträtiere, sind es keine Einzelschicksale, die gezeigt werden sollen. Vielmehr geht es mir um die Sicht auf den Körper und um den Umgang mit der Krankheit. In meiner Arbeit thematisiere ich Brustkrebs als einen Lebenszustand und nicht einen Zustand, der defizitär ist. Mit meinen Bildern blicke ich nicht nur auf den körperlichen Schmerz, den die Betroffenen erfahren haben, sondern auch auf die Geschichte einer Überwindung, eines Annehmens und einer Akzeptanz dieser Versehrtheit. Die Betroffenen entsprechen mit ihrer Erkrankung nicht mehr dem von der Gesellschaft vorgegebenen Idealbild. Mithilfe der Fotografie hinterfrage ich das vermeintlich Vollkommene.
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Mich interessiert in dieser Arbeit speziell die digitale Fotografie, die mir im Vergleich zur analogen zusätzliche Ausdrucksformen bietet. Ich nutze hier die Technik des Morphens. Klassischerweise werden beim Morphen die Konturen zweier Bilder von einem Computerprogramm zu einem neuen Bild verrechnet. In meiner Arbeit lasse ich nicht zwei ganze Bilder, sondern nur ausgewählte Bereiche zweier Bilder miteinander verschmelzen. Auf diese Art und Weise provoziere ich die in den Bildern abgebildeten Rechenfehler. Durch Auswählen und Zusammensetzen von unterschiedlichen Aufnahmen verschiedener Frauen und Perspektiven entsteht ein technisch produziertes Bild, welches in der Realität so nicht existiert.

Mit meiner Arbeit greife ich die Vorstellung an, dass Vollkommenheit das Ziel der Menschen sei. Im Grunde verweist die Krankheit selbst auf die Unerreichbarkeit von Perfektion. »Embodiment of pain« ist ein Versuch den stigmatisierten Fokus des Krankseins aufzuweichen. Meine Rechenfehler lenken die Aufmerksamkeit weg von den realen Narben. Erhalten bleiben unwillkürliche individuelle Gesten. Was bleibt ist das individuelle, das lebendig Dagewesene dieser Menschen.